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Marko Marffy | Kampfsport-Weltmeister, Unternehmer & Buchautor

Welche Bedeutung hat Mut in deinem Alltag?

Nur wenn ich meine Komfortzone verlasse, kann ich mich weiterentwickeln. Und diesen Schritt zu tun, braucht Mut. Widerstände begegnen mir jeden Tag – kleine und grosse. Sie sind für mein Wachstum unabdingbar.
Zwei Faktoren entscheiden, wieviel Mut ich aufbringen muss. Erstens die Dimension der anstehenden Herausforderung. Unbekannte, neue oder sogar furchteinflössende Situationen erfordern besonders viel Mut. Zweitens spielt aber meine momentane Verfassung genauso eine Rolle. Je schwächer, unsicherer oder unvorbereiteter ich mich fühle, desto mehr Mut muss ich aufbringen.
Ich möchte also während meinem Alltag in jeder Situation und in jedem Zustand den Mut aufbringen können, kleine und grosse Herausforderungen meistern zu können, anstatt einen Bogen um sie zu machen.

Welchen Beitrag zu Longevity leistet der Mut?

Wir sind in unserer Natur immer noch darauf ausgerichtet, uns bei Hunger auf die Suche zu machen, bei Kälte ein Feuer zu entfachen, bei Hitze den Weg in kühlere Regionen auf uns zu nehmen oder bei einem Angriff eines Raubtiers zu kämpfen oder schnell zu flüchten. In genau diesen Situationen schütten wir das glücklich machende Hormon Dopamin aus. Wir werden neugierig, sind bereit, Veränderungen in Kauf zu nehmen und wollen bewegen. Im heutigen Alltag fehlen uns diese natürlichen Reize. Wir müssen Situationen kreieren, die diese alten Muster wieder aktivieren. Und das erfordert Mut: wenn wir beispielsweise ohne Essen drei Tage in einen Wald gehen und fasten, aktiviert das unser Stoffwechselsystem wie auch unser Gehirn und reguliert unsere Stressachse auf positive Weise. Aber auch schon ein neues Hobby wirkt ähnlich. Bist du bereit dazu?

Was ist die häufigste Illusion, die Menschen über Gesundheit und Longevity haben?

Dass die Hilfe von aussen kommt. Viele Suchen die Lösung ausschliesslich in Medikamenten, im Spritzen von «jungem Blut» oder in den sich rasant entwickelnden technologischen Errungenschaften. Tatsächlich aber sind es die kleinen Schritte, die wir selbst tun können. Die Kraft liegt also in uns: bewegen, genügend schlafen, gut essen, Zeit mit den Liebsten verbringen, fasten, frieren, saunieren, kleine Verhaltensänderungen angehen, verzichten. Das lässt unsere «Health Span», also die Lebensdauer, die wir gesund verbringen dürfen, länger werden.

Welche Anknüpfungspunkte gibt es zwischen Leistungssport und Unternehmensberatung?

Leistungssportlerinnen und -sportler sind es sich gewöhnt, nach allerkleinsten Faktoren zu suchen, die den Erfolg ausmachen. Die Summe der kleinen Teile macht den Erfolg aus.
Was aber viele dabei vergessen: jedes Training bedeutet einen Reiz unseres Systems, auf das eine entsprechende Anpassung erfolgen soll. Und diese Anpassung erfordert eine Regenerationsphase in Form von Ruhe und Entspannung. Wer hier nicht die richtige Balance findet und zu viel belastet, droht in ein Übertraining zu fallen. Erschöpfung, Ermüdungsbrüche oder ein sogenanntes Sportler-Burnout können die Folge sein. Das gilt für sämtliche Lebensbereiche. Unternehmen sind angehalten, in ihrem Betrieb nicht nur auf die Performance und den Output ihrer Mitarbeitenden, sondern auch auf ihr Wohlergehen und ihre Erholung zu achten.

Welche eine Gewohnheit würdest du heute beginnen, wenn du wieder bei null starten würdest?

Täglich eine halbe Stunde allein in die Natur und nichts tun, ausser zu beobachten – nach innen und aussen.

Welche Strategien helfen dir, in Mutmomenten zu bestehen?

Da gibt es viele: meinen Atem regulieren, visualisieren, Selbstgespräche führen, ein Winner Feeling aktivieren, mich langsam und bedacht bewegen, ruhiger sprechen, wichtige Entscheidungen nicht sofort fällen, Hilfe beiziehen.

Welche drei Prinzipien aus dem Spitzensport würdest du jeder Führungskraft empfehlen?

  1. Das Superkompensationsprinzip von Belastung und Erholung beachten.
  2. Die Erfolgsformel beachten, wonach Erfolg immer ein Ergebnis der Faktoren Talent, Wille und Umfeld ist (Erfolg = Talent x Wille x Umfeld)
  3. In einem kompetitiven Umfeld muss ich bereit sein, den nötigen Aufwand zu bringen, um das entscheidende letzte Prozent zu erreichen. Dabei sind es oft die ganz kleinen, unscheinbaren Dinge, die schlussendlich den Unterschied machen.

Was wünschst du dir für die Arbeitswelt von morgen?

Begegnungen zwischen Menschen, möglichst in der Natur und ohne ständige digitale Begleiter. KI und Robotik sollen uns dabei unterstützen, wieder zu unserer Natur zurückzufinden. An einem Lagerfeuer können grossartige Ideen und Projekte entstehen.

mutzone – Portrait Roy Büllhardt, Strategie, Transformation, Leadership

Zur Person

Marko Marffy hat 1996 seine Ausbildung zum Primarlehrer abgeschlossen und rund acht Jahre auf verschiedenen Stufen unterrichtet. Danach studierte er an der Universität Bern Geografie (mit Erdwissenschaften und Ökologie) und reiste 2003 ein Jahr durch Asien bis Okinawa, um Kampfkünste zu vertiefen.

2005 gründete er das Maru Dojo in Bern und ist seither als Geschäftsführer und Trainer tätig. Parallel übernahm er zentrale Rollen in der Aus- und Weiterbildung (u. a. SKC-Karate-Nationalmannschaft 2011–2019, J+S Karate seit 2012, Swiss Functional Fitness 2019–2024, QualiCert seit 2024). Als Athlet war er von 1997 bis 2021 international aktiv und wurde mehrfacher Champions-League-, Europa- und Weltmeister (WUKF).

2019 schloss er den Berufstrainer-Lehrgang in Magglingen ab, gründete mit Christian Finger EMC Quadrat und veröffentlichte «Longevity 2.0». 2022 baute er für WAKO Kickboxen im J+S-Programm mit auf und schrieb das Manual. 2025 gründete er den Swiss Sport Campus; 2026 wurde das Maru Dojo in die Maru ar Aare AG überführt, wo er Mitinhaber ist.

Über die Firma

Mehr zu seinem Buch und Person unter: emcquadrat.ch

Bezug zur Mutzone

Marko Marffy begleitet die Mutzone und Kund:innen mit inspirierenden Referaten und Inputs.